Über Naturmalerei

Jeder einzelne Mensch sieht die ihn umgebende Natur mit eigenen Augen. Er sieht um so mehr, je weiter er sich ihr öffnet und bereit ist, ihr staunend und in Freude zu begegnen. Seine emotionale Reaktion auf einen warmen Windhauch auf seiner Wange oder auf das Rufen eines Laubfrosches, der versteckt in einem Baum sitzt, ist ganz die seine. Mit seinen Empfindungen bleibt er letztlich alleine. So ergeht es jedem in der Natur arbeitenden Maler und auch mir, wenn ich draußen bin und Stimmungen, Farbspiele und Gerüche aufnehme.

Der Naturmaler wird Teil der Landschaft und des Lebensraumes seines Objekts, das er abbilden möchte.

Neben der Beherrschung der Maltechniken gehört die Kenntnis der Verhaltensweisen und des Tagesrhythmus’ der Tiere in ganz besonderem Maße zu den Grundvoraussetzungen der guten Natur- oder Tiermalerei. Die eigentliche Herausforderung für den Naturmaler besteht aber darin, sein Auge und seine Hand so zusammenarbeiten zu lassen, dass er das Bild in einer fließenden Bewegung anfertigen kann. Das gilt für die rasch und hastig gezeichnete Skizze, für die oft nur wenige Augenblicke ausreichen müssen und ebenso für ein vor Ort weiter ausgearbeitetes Aquarell. Ständiges Beobachten, Üben und die Perfektionierung dieses Schaffensflusses, der von den Augen ausgeht, von Empfinden und momentaner Stimmung geformt wird und schließlich durch die Hand auf das Papier gelangt, werden mich als Herausforderung und als Freude das ganze Leben begleiten.

So manches Mal erscheint es mir als ein Privileg, die Liebe zur Natur und die Achtung vor Gottes Schöpfung mit einer solchen Tätigkeit wie dem Malen verbinden zu können. Es ist zumindest ein großes Glück. Ich bin davon überzeugt, dass jeder Mensch sein Herz öffnen kann, um dann die Freude zu verspüren, wenn er von den kleinen, aber immer wunderbaren Überraschungen in der Natur angerührt wird.

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